Gothic Magazine

Stories



12.November 2011 | 22:19 Uhr ||

WELLE:ERDBALL – Interview Remixed!

Hier gibt es eine Remix-Fassung, also einer alternativen, neu zusammen gesetzten und erweiterten Version des Artikels der aktuellen GOTHIC-Ausgabe. Natürlich geht es auch dabei um die neue CD „Der kalte Krieg“. Sänger Honey also einmal mehr im Interview.

Es gibt ja auch sehr schicke neue Photos von Euch in Agentenpose. Konterkariert das nicht irgendwie ein bisschen das ernsthafte inhaltliche Anliegen der CD? Aber unabhängig davon, hast Du eine Erklärung dafür, dass diese Agenten/Spion-Filme der 60er/70er/80er so unendlich besser waren als in den Jahren danach?
Was würde denn das ernsthafte Anliegen photographisch unterstützen? Welle: Erdball in EBM-Pose, in Tarnklammoten und mit Handgranaten bewaffnet?! Wir machen es dann doch lieber WELLE:ERDBALL-like. Das mit den Agentenfilmen hat wohl einen klaren Grund: Die temporäre Authentizität! Auch ein großes Problem des kompletten Retrotrends. Die Authentizität war auch für uns, im Hinblick auf die neue Sendung die oberste Direktive. Klar, hätte man auch aus „Ein bisschen Frieden“ leicht eine Hardcore-Industrial-Nummer machen können, aber das wäre dann eher im Hinblick auf die Aussage, den Text und die Botschaft eher ein kurzlebiger Gag gewesen. Es ist wirklich sehr schwer, einige Lieder zu adaptieren ohne in Albernheiten zu versinken. „Ich geh mit meiner Laterne“ war damals ja schon ein gelungener Versuch, aber das Gefühl, welches „Karl, der Käfer“ erzeugt hat, wieder in die Seele des Hörers zu hauchen, ist noch eine Stufe schwerer.

Warum hat auch das Thriller-Genre so viel an Reiz eingebüsst?
Gute Thriller brauchen nicht nur die temporäre Authentizität, sondern müssen auch aktuelle Ängste und somit aktuelle Feindbilder reflektieren. Wir haben alle aktuell so viel Angst wie fast nie zu vor. Doch irgendwie wissen wie nicht so recht wovor. Wie sieht denn das aktuelle Feindbild aus? Ein Terrorist? Arbeitslosigkeit? Und wenn, wie bekämpfen wir diese Feindbilder? Eine Demonstration auf dem kleinstädtischen Marktplatz gegen Kofferbomben und bärtige Turbanträger? Das funktioniert wohl kaum. Doch sind wir nicht aktuell unser eigenes Feindbild? Und wie können wir uns selbst bekämpfen?

In den 1980ern war die große Angst der Menschen sicherlich die atomare Gefahr, heute ist es der Terror aus der islamischen Welt. Über das Ausmaß der heutigen Gefahr kann man sicherlich geteilter Meinung sein, die Gefahr damals war sicherlich „echt“ - Eigentlich in allen politischen Lagern erkannte man den Ernst der Lage. Ist es nicht so, dass der Kalte Krieg so für eine gewissen Zusammenhalt sorgte?
Das ist auch der Grundstein der aktuellen Sendung „Der Kalte Krieg“. Nicht das Geschichtliche, welches in Büchern steht, die von Gewinnern geschrieben wurden, sondern das Gefühl, die Angst, die Nicht-Resignation und die daraus resultierende, phantastische Kraft, welche sich auch in Kunst & Kultur, sprich auch in Musik und Text widergespiegelt hat, steht im klaren Vordergrund der Sendung. Und genau dieses vergessene Gefühl wollen wir dem Hörer mit unserer funktionierenden Zeitmaschine vermitteln.

Bleiben wir noch kurz bei den 80er-Jahren bzw. verwandten Politikthemen: Eines der Hauptsymbole des Kalten Krieges ist sicherlich die „Die Mauer“. Kannst du die Leute verstehen, die die Mauer zurückwollen?
Ich glaube kaum, dass jemand die Mauer wieder zurück will. Hier geht es wohl eher um subventionierte Grundnahrungsmittel, feste Arbeitsplätze, transparente Wirtschaft, Kinderkrippen, Jugendclubs… Und dem kann ich nur beipflichten. Wenn man dann noch „Wir sind das Volk“ gegen Aral-Tankstelle, Media Markt und McDonalds eintauschen, muss ist doch der Grundstein zu einer imaginären Mauer schon fast gelegt.

Zu den Coverversionen auf dem Album: Erstmals gibt es auch einen englischen Song. Eine der wohl gesuchtesten 7“Schallplatten überhaupt. Kannst Du dich noch erinnern, wie Du zum ersten Mal mit diesem besonderen Song von DAS KABINETTE in Berührung gekommen bist?
Ich meine, das war so um 1989 im Zwischenfall und muss dann wohl von Herrn Zöller auf den Plattenteller gelegt worden sein. Ganz klar ein wirklich besonderes Lied, welches dem Hörer mal wieder vor Ohren geführt werden muss.

„Ein bisschen Frieden“... Ich persönlich finde den Song so oder so echt grauenhaft, aber trotzdem Respekt für die Coverversion von Nicole! Ihr meint das ja nicht witzig, sondern komplett ernst Aber es ist als Undergroundband schon eine große Provokation einen Ralph Siegel-Song zu covern, oder?
Also mal speziell zu dem Lied, die Produktion dazu inklusive Notenaushören und Gesang hat mal locker 2-3 Wochen gedauert, wenn man das nicht ernst nimmt, würde man wohl nach 2 Tagen schon die Flinte ins Korn schmeißen. Ich persönlich bin mit dem Song auch nie richtig warm geworden, doch unsere finde ich ganz objektiv besser, da sie den Schmalz einbüßt, aber den Pathos eher noch unterstützt. Fernab davon ist das eines der wenigen deutschen Lieder, die ganz klar mit dem Thema "Kalter Krieg" verstrickt sind.


Link zum Thema: Offizielle Bandwebsite




MIDAS FALL 20.02.-20.05.2013
DBD_skyscraper